Dominik Schwarz - grenzschicht.com

Dominik Schwarz: grenzschicht.com

Slobodan und ich

Dominik Dominik sagt:

Der Slogan ist frei

Die Gedanken sind frei.

Was assoziert man mit diesem alten Volkslied? Vielleicht nichts. Vielleicht aber auch, und so geht es mir, folgende Schlagworte: KZ - Unterdrückung - Diktatur.

Schön, dass jetzt gmx dieses alte Volkslied ohne jede Vorbehalte in den Mittelpunkt seiner aktuellen Werbekampagne gestellt hat. Scheint beim Brainstorming keiner draufgekommen zu sein.

3 Reaktionen zu “Der Slogan ist frei”

  1. Wolf

    “Die Gedanken sind frei” stand immer und zu jeder Zeit für die Freiheit der Menschen. Gut das es wieder an die Öffentlichkeit kommt - wenn auch “nur” durch werbung.
    Oder Zitat aus Deinen Textquellen zu diesem Lied: “Singen kann eine Form des Widerstand darstellen”

  2. Dominik

    Dies ist durchaus korrekt und auch “nur” Werbung ist eine Ausdrucksform, die mehr als eine Produktaussage machen darf. Unbestritten auch, dass Singen eine Form des Widerstands darstellt.

    Doch gerade dieses Lied definiert sich dadurch, dass es in den schlimmsten Zeiten unter Diktatur und großem Leid gesungen wurde. Es ist ein Symbol für Opfer und Unterdrückte, die nur noch im Lied Widerstand leisten konnten. Ein Lied, das der Verurteilte vor seiner Hinrichtung anstimmt (hier bin ich beeinflusst durch einen mir gerade nicht nennbaren Film, besser sind z.B. die verlinketen Hinweise auf die Musik im KZ) ist untrennbar auch mit diesen Bildern besetzt. Und belastet. Meine Kritik richtet sich hier gegen die Leichtfertigkeit, mit der sich ohne dem Kontext gerecht zu werden (werden zu können) ein Unternehmen dieses Lied “vermarktet”.

    Natürlich habe ich das Prinzip hinter diesem Spot verstanden (obgleich man hier zynisch nach der Panne vor wenigen Tagen sagen könnte “ja, und wenn Sie ipmap bei gmx nutzen, sind ihre Gedanken sogar so frei, dass fremde Accounts an ihre Emails kommen”). Und auch ist der Spot sehr schön gemacht. Es beibt einfach die Assoziation bei diesen Zeilen, die hier große Bauchschmerzen bereiten. Aber was solls, die Hauptzielgruppe von GMX weiß vermutlich nichteinmal, dass es sich nicht um ein Werbejingle handelt. Insofern herzlichen Glückwunsch zur sicherlich erfolgreichen Kampagne.

  3. Wolf

    hi dominik,

    durchaus berechtigte fragen denen wir uns auch stellen müssen.

    das lied in dieser form wird seit mindestens 200 jahren gesungen immer als zeichen für freiheit.

    und ich selber habe bevor wir die werbung machten mit (verfolgten) menschen aus der nazizeit gesprochen, ob so eine “vermarktung” verletzend wäre - war mir nicht wirklich sicher. die meinten, das lied nicht mehr zu singen, wäre fast ein erfolg für die nazis, denn die wollten nicht das es gesungen wird, weil sie keine freiheit wollten.

    die deutsche geschichte nur an den zeiten der nazis auszurichten, wäre (und ist leider immer noch) ein erfolg der unterdrücker. sicher hinterlässt die zeit eine riesige verantwortung - was aber auch wieder ein anderes thema ist.

    die kommerzialiserung von kultur durch werbung ist dann aber ein noch ganz anderes thema. und ich glaube wirklich dass es viel schlimmeres gibt, als die freiheit des einzelnen in der werbung zu betonen.

    wir haben uns gedanken gemacht, vielleicht kann mit den infos dein glückwunsch zum erfolg tatsächlich etwas herzlicher sein ;-)
    bg

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