Prognose
Schlechter hätte der Start ins Wahljahr 2005 für die Union nicht laufen können. Erstmals seit 2002 hätte die Koalition nach einer aktuellen Umfrage bei einer Bundestagswahl wieder mehr Stimmen als Union und FDP. Wenig schmeichelhaft für CDU-Chefin Merkel: Die Mehrheit würde Bundespräsident Köhler als Kanzlerkandidat bevorzugen.
spiegel.de
Keiner mag Angela. Also, einfach garkeiner. Dabei soll die Frau privat sehr schlagfertig und auch humorvoll sein. Mag stimmen und sie ist auch garantiert nicht blöd. Nur… es mag sie einfach keiner. Und dabei denken doch alle schon wieder an 2006. Und jetzt mag vielleicht der potentieller Wähler auch den Schröder nicht, aber Angela und Edmund… nein, die eigentlich noch weniger. Schlechter konnte es eigentlich doch garnicht kommen für die Union, da lag der Gegner am Boden wie es schwächer kaum ging und gackernd wie die überrascht aufgescheuchten Hühner muss man sich auf einmal Fragen “Scheiße, wir sind ja auf einmal vorne! Was tun wir denn jetzt?”. Und während die letzten noch flatternd im Kreis rennen hat sich die politische Stimmung schon wieder ins Gegenteil gedreht und alles ist wie zuvor. Gut, war jetzt natürlich auch nur extrem kurz Zeit, in denen man sich beruhigen und mit einem stimmigen Gesamtkonzept Tabula Rasa hätte machen können. Drei Jahre. In der Zeit, in der man am meisten Menschen erreicht hätte, in der Zeit, in der man ganz deutlich machen hätte können “Wir machen es besser” wurde vorallem eines deutlich: Dass jeder der Opposition nur froh sein kann, 2002 nicht gewählt worden zu sein.
Aber 2006 soll es klappen. Ein Konzept und einen triftigen Grund haben die Wahlstrategen dafür noch nicht gefunden. Stattdessen erschüttern innterparteiliche Krisen die CDU, mit der Schwesternpartei zieht man sich gegenseitig an den Haaren und während, ganz gleich wie man dazu stehen mag, die Regierung wenigstens konsequent eine Linie begeht, bleibt auch dem Wähler das christdemokratische Chaos nicht verborgen - und quittiert.
Eine schnelle Klärung der Kanzlerkandidatenfrage sei von Nöten drängen die Besonnenen der Partei und versuchen zähneknirschend und kontrovers pro oder kontra Merken/Stoiber zu argumentieren, doch auch die Befürworter der Kandidaten brennen nicht vor Enthusiasmus. Die Chance, einen anderen Kandidaten bis zur Wahl aufzubauen ist längst vertan, eine dritte Alternative rein aus Zeitgründen keine Option mehr und nicht wenige werden sich in der Parteifarbe ärgern, ihren Messias in das neutrale Amt des Bundespräsidenten abgegeben zu haben.
Zu einer Zeit, als die Sozialdemokraten auf einem historischen Tief waren und die Union benommen vom Freudentaumel der Erdrutschsiege bei den Landtagswahlen sich auf der Siegesstraße sah, musste es ein Schwarzer sein, der das höchste Amt im Staat besetzt. Und tatsächlich siegte Horst Köhler, zeigte sich als Mann der Tat und starken Worte und gewann mit seiner manchmal etwas schroffen Art auch den Respekt der sozialdemokratischen Wählern. Nun, wo die Union von der Wirklichkeit überrollt wurde und sich auf einen drei Jahre alten Stand zurückkatapultiert wiederfindet, weint so mancher aus der Partei ihm nicht nur eine Träne nach. Doch diese Chance ist länsgt vorbei.
Bleibt die Wahl zwischen zwei altbekannten Gesichtern. Und so stark eine Merkel den Zusammenhalt beschwört, schlussendlich wird sie sich nicht durchsetzen könnnen. Nicht als Politikerin, nicht als Frau, nicht in der Partei, nicht im Volk. Und Edmund Stoiber ist längst beschädigt. Als Wahlverlierer gezeichnet verfügt er zwar ungebrochen über Kampfeswille, doch gerade dieser könnte ihm 2006 erneut das Genick brechen.
Was bleibt ist eine Regierung, die einfach nur noch die Füße still halten muss, ihre Parteimitglieder ruhig halten oder stellen, Skandale vermeiden oder vertuschen und als unbeachteter Zuschauer am Rand tut, was sie will, während die Tagespolitik unter den blutigen Hennenkämpfen eines zweiköpfigen Tieres gegen sich selbst zur Nebensache wird.
Keiner will Stoiber als Kanzler. Aber verdammt, reist euch zusammen, denn Demokratie funktioniert nur durch Gegenkontrolle. Jedes Versagen wird hier zum Versagen aller Beteiligen und wenn 2006 der Faschist im Bundestag sitzt weil dieser im Gegegensatz zu den Volksparteien seine (thumben) Wähler überzeugen kann, wird es sich wieder keiner erklären können, wie es dazu kommen konnte.















Am 27. Januar 2005 um 09:13 Uhr
Kein Wunder, dass die SPS wieder vorne liegt ! Zu einen liegt es sicher an den innerparteilichen Ausscheidungskämpfen bei der CDU und ihrer Schwesterpartei, zu anderem jedoch liegt 2005 wieder die gleiche Konstellation vor, wie 2002. Damals war es die Flutkatastrophe in Deutschland, heute ist es die Südostasienkatastrophe. Natürlich kommt es an, wenn man, obwohl man kein Geld hat, 500 Mio € bereitstellt, was auch vollkommen richtig ist und in der sozialen Verantwortung eines trotz allem, wohlhabenden Staates liegt. Den Menschen ist es inzwischen mehr oder weniger egal geworden was die Regierung treibt. Die Zeit der Proteste ist vorbei.Jeder denkt sich ” Siehst Du, den Menschen dort ist nichts geblieben und wir beschweren uns noch, über solche Kleinigkeiten” . Das stimmt führt aber erstmal zu einer gewinssen Gleichgültigkeitseinstellungs gegenüber der SPD/Grüne. Dazu kommt, wenn man in das Lager der Schwarzen schaut, lauter uncharismatische Persönlichkeiten kombiniert mit Kindergartenstrategien die Regierung zu stürzen. Wer zusehr auf den Fall des anderen schaut, muss eben aufpassen, dass er seine eigenen Füße nicht vergisst.
Aber es kommen auch wieder andere Zeiten, die Flut wird aus den ersten Gedanken gewichen sein, die Medienberichterstattung und die großen Taten gehen zu Ende.
Es wird wieder Frühling, der Winterschlaf geht vorbei und der Parteienkrieg geht wieder los.
Entscheidend ist, dass es die CDU schafft eine Linie zu finden, das “Wir wissen zwar auch noch nichts, aber wählt uns erstmal” - Image abzulegen und endlich einen ernsthaften und medienwirksamen Kanzlerkandidaten zu finden.
Es war zwar sehr nobel nicht auf die Regierung einzutreten als sie am Boden lag und die Aufmerksamkeit auf das eigene Versagen zu lenken, aber wenn sich das nicht ändert kann der Gerd schomal seine Zimmereinrichtung neuplanen.
MfG,
der Wahlunentschlossene, der absolut nicht weiß, wen er einmal wählen soll.
Am 27. Januar 2005 um 11:57 Uhr
Sehr schön zusammengefasst, auch wenn ich persönlich die Stimmung weniger auf die Flutkatastrophe als eher auf die engetretene Protestmüdigkeit zurückführe. Der Aspekt, auf den ich raus wollte ist, dass die einzige Chance, eine charismatische Führungspersönlichkeit, die den Laden zusammenhält einzusetzen durch die “Abgabe” Köhlers vertan wurde. Selbst wenn nun aus dem nichts eine Alternative auftauchen würde, vermute ich dass die Zeit zu knapp ist, ihn als Kandidaten zu etablieren.
Es grüßt Dominik, der als Wahlalternative auf die Partei der Zeitschrift “Titanic” verweist.
http://www.die-partei.de/