Mein Freund, der Kunde (Teil X)
Es war Sommer, es war heißt und man sagte mir “Klasse, ihr seid die Besten, macht das, genau so” und ich begann, ein wenig stolz auf unser kleines Unternehmen und freudig erregt über gleich zwei neue Projekte, mit der Arbeit. In Rekordzeit wurden beide Projekte fertiggestellt, sie fanden viel Lob und waren zur vollen Zufriedenheit des Kundens entstanden. Eine Rechnung wurde geschrieben und versendet, wie es vereinbart war, aus Freude über den tollen Ablauf, legte der Kunde selbst nocheinmal was drauf.
Nun ist es nur leider ein Unterschied zwischen dem sprechen über Zahlungen und dem tatsächlichen Zahlen. Aber da zu diesem Zeitpunkt gerade ein ganzes Paket an Rechnungen rausgegangen war und keinerlei Rückmeldung verbucht werden konnte, hatten wir schon begonnen, uns mit der deutschen Zahlungsmoral anzufreunden und machten uns noch keine Sorgen.
Das Schicksal wollte es anders: Nun ist es natürlich sehr einfach, seine Vorurteile über Menschen in jener “Berufsgruppe” auszupacken, in der dieser Kunde tätig war, aber “leichte Wechselhaftigkeit” war dennoch plötzlich zu beobachten. Nein, es habe “keinen Sinn mehr” sagte man uns, noch bevor die erste Mahnung uns verließ. “Bitte schalten Sie das erste Projekt ab.” und nachdem ich ihn darauf aufmerksam machte, dass dies nichts daran ändere, dass er zahlen müssen oder er dies mit einem “Selbstverständlich” quittierte, kam ich seiner Aufforderung nach.
Vorausgegangen war wochenlanges Betteln, man möge uns doch bitteschön auch die Domainverträge schicken, ohne dürfen wir selbstverständlich nicht im Namen des Kunden bestellen. Und nachdem nur wenigen Tage nach erfolgreicher Freischaltung eines der Projekte, das in nächtelanger Arbeit entstanden war, es auf Kundenwunsch wieder im Äther versenkt war, versetzte dies meiner Seele doch schon einen Stich. Aber hey, selbstverständlich kann ein Kunde mit seinem Eigentum machen, was er möchte, der schnöde Mammon würde uns bald trösten. So dachte ich, naiv wie ich war. Damals. Im Sommer.
Bald ist wieder Sommer, die Vögel zwischern es von den Dächern. Die Temperaturen steigen, die Bäume schlagen aus und Kinder springen fröhlich oder die Wiesen. Alle sind fröhlich und zufrieden. Die Sonne lacht. Und unser Geld ist noch immer nicht da.
“Ist gerade ganz schlecht” hatte man uns gesagt, und weil wir mit unserem kleinen Unternehmen Vorteile gegenüber anderen Unternehmen bieten möchten, sind wir kulant - erneut. Und auf die Phase des “Nächste Woche hab ich das Geld” folgte die Phase des Verschwindens, auf diese folgte die Phase der Demut und vermutlich wäre die Phase der schlimmen Kindheit gefolgt, wenn ich nicht zuvor die Notbremse gezogen hätte. Ob ihm denn Ratenzahlung angenehm wäre. Ein Zehntel des Gesamtbetrages pro Monat, dies sollte wohl möglich sein, dachte ich. Sagte er. Und ich schöpfte Hoffnung. Und die letzten Dezembertage verblichen.
Schon zwei Mal fand ich mich in Euphorie wieder, als ich plötzlich auf dem Konto eine Buchung vorfand, die mir anzeigte, dass der Einzug erfolgreich durchgeführt wurde. Drei Tage später jeweils wurde diese jäh zerstört, als ich den selben Betrag vom Konto schwinden sah - das Einzugskonto war trotz Zusage erneut nicht gedeckt, Gebühr für die Aktion: 7,49 EUR.
Es isr April und wiedereinamal wurden siebeneuroneunundvierzig erfolgreich vernichtet. Bis Juli bin ich noch im Unternehmen und in der relativ Kurzen Zeit als Geschäftsführer habe ich zum Thema Zahlungsmoral viel bittere Realität erfahren. Aber dass eine meiner letzten Handlungen der Anruf bei einem Inkassounternehmen sein würde, das hätte ich nicht vermutet.
Eine Chance hatt er noch. Die allerallerallerallerletzte Mahnung geht heute raus. BITTE lieber Kunde, BITTE zahle sie doch einfach.
Übrigens: Es gibt auch Lichtblicke. In den letzten Wochen habe ich mit Menschen mit hervorragender Zahlungsmoral zusammengearbeitet: “Morgen ist es da” sagte er und am nächsten Tag war es tatsächlich da. Hier macht es Spaß, kulant zu sein kulant sein zu können!















Am 12. April 2005 um 19:38 Uhr
Du machst die ganze gute,neue wirtschaftliche Aufbruchsstimmung kaputt. Morgen lass ich beim Bäcker anschreiben….
Am 13. April 2005 um 01:02 Uhr
http://www.russen-inkasso.de/ ;)