Meine Freundin, die Verkäuferin (Teil X.)
Manchmal ist sie da, manchmal auch nicht: Das System, zu welchen Zeiten sie im Supermarkt von Galerie Kaufhof an der Kasse sitzt, habe ich noch nicht herausgefunden. Und wenn es nur Abflussreiniger ist, den man dort erwirbt, man wird angelächelt, als hätte man mit der linken Hand die Erde gerettet und mit der Rechten ihr eine Rose mit den Worten “Das habe ich nur für dich getan” überreicht. Und da ist es völlig gleich, ob die alte Dame ihren Einkauf in Centstücken bezahlt, schreiende Schülder die Kasse stürmen oder gestresste Geschäftsleute hetzen - sie lächelt einfach ihr ehrliches Lächeln, wünscht einen guten Tag und schaut glücklich aus. Übrigens arbeitet im Selben Kaufhaus eine Etage drüber eine Kassiererin, bei der ich mich unlängst entschuldigte, sie mit Arbeit zu belästigen. Einen Locher wollte ich erwerben und nahm einen vom “4,90 EUR” Stapel, umd mich dann angiften zu lassen, als ich an der Kasse gegen “8,90 EUR” protestierte und erfuhr, dass hinterhältige Kunden die Wahre falsch zurückräumen und es ja wohl nicht ihre Schuld wäre wenn ich einen Fehler gemacht hätte. Aber das ist eine andere Geschichte und auch schon ein ganzes Weilchen her. “Unlängst” war aber eine schöne Überleitung.
Gestern (und diesmal auch tatsächlich gestern) stand ich in der Videothek meines Vertrauens an der Kasse. “Ihren 4stelligen Pin bitte” sagte die kaugummikauende Frau, die wohl bei weitem älter war, als sie sich geben wollte. Etwas ungläubig schaute ich sie an, mich fragend, ob ich eine Pin habe. Wahrscheinlich schon, aber da ich das erste und einzige Mal bisher vor über einem Jahr den Laden betreten hatte, hatte ich nicht den leisesten Schimmer. “Und wenn ich den Pin nicht mehr weiß? Ich habe, ehrlich gesagt, keine Ahnung mehr” gab ich zu. “Vierstelligvonihnenselbstgewählt” erwiederte die motivierte Dame sie. Da ich aber wirklich keinen Schimmer hatte und auf den Bus wollte, der Minuten später fahren sollte, versuchte ich die Sache abzukürzen. “Ich habe aber wirklich keine Ahnung mehr, wie er lauten könnte, was mach ich dann?”.
Okay, war auch dumm von mir. Ich hätte wissen müssen, dass man das Ablaufprotokoll (wahrscheinlich hängt ein Organigramm) nicht so einfach verletzt. “Probieren Sie’s, 4 stellig” sagte sie und strafte mich mit einem Blick, als hätte ich sie sie darum gebeten, auf der Theke zu strippen. Schon gut, schon gut dachte ich mir und tippte 3 mal eins zwei drei vier ein und bestätigte. “Der war’s auch nicht. Ich sagte vierstellig, sie haben fünf eingegeben.” - “Kein Enter?” - “Kein Enter!”. Sagte sie - nach [sic] meinem dritten Fehlversuch.
Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt. Personalausweis gezeigt, 10 Sekunden lang mit den Daten in der Datenbank verglichen, einen neuen Pin gewählt, gegangen. Keine weitere Fragen mehr - nur noch eine: Geht es dieser Videothek bzw den Videotheken allgemein so gut, dass man sich Kundenkontakt dieser Art leisten kann?














