Ich bin gesund. Glaube ich.
Immer wenn ich daran denke, wie viel ich für meine Krankenkasse jeden Monat zahlen muss, verspüre ich den Drang, ein Glas Schnaps zu trinken und eine Zigarette zu rauchen, zur Beruhigung. Ich habe mir eine Exceltabelle gemacht, in der mir für jeden aktuellen Tag ausgegeben wird, wie viel von meinem Geld bereits professionell von meiner Krankenkasse ausgegeben wurde. Also für Beraterhonorare, Dienstfahrzeuge und die Plakat, die in jedem Wartezimmer hängen. “Ihre Krankenkasse - immer für Sie da” steht dann auf diesen Plakaten unter der Schuldzuweisung für alles in Richtung Politik,
Wie das genau das gemeint ist, “immer für Sie da”, weiß ich gar nicht. Ich habe noch nie einen Menschen von meiner Krankenkasse gesehen, ich weiß noch nicht ein Mal, ob meine Krankenkasse überhaupt Menschen beschäftigt oder ob sie nur über Plakate in Arztpraxen und maschinell erstellte Schreiben mit Ihren Kunden kommuniziert.
Um wechseln zu können verlangt die neue Kasse Blutzoll. Schließlich könne ja unter meiner jungdynamischen, durchtrainierten und schönen Hülle ja verwesendes, schwaches Fleisch stecken und so eine Krankenkasse ist eben keine Religion, da kann der Geist dann noch so willig sein, verziehen wird da nix. Und da der Kundenkontakt ja hauptsächlich über die Wartezimmerplakate abläuft, nützt auch betteln nichts.
Dem Diktat der Maschine folgend (”.Dieses Schreiben wurde maschinell erstellt und ist ohne Unterschrift gültig.”) habe ich die Ärztin meines Vertrauens aufgesucht. Ich habe mir telefonisch einen Termin geben lassen. Dummerweise habe ich auch gleich noch eine Frage gestellt, die Frau Doktor mit einem “nein” eruierte. Das war vor drei Tagen. Vor zwei Tagen kam dann die Rechnung. “Ausführliche Beratung, auch fernmündlich. Tarifschema 6293, Drei Euro Siebzehn, Zahlungsfrist 12 Stunden, Zahlungsfristbeginn vorgestern.”
Ich suchte Frau Doktor persönlich auf. “Mal bitte aaaaaah sagen”, “Tief atmen”, zwei Schläge auf die Knie und die Intensivuntersuchung war auch schon wieder vorbei. Ich, im Hochsommer unter den verbrecherischen Pollen an Asthma leidend fragte mit meinem verbleibenden Atem nach. “Und” fragte ich hustend, “bin ich gesund?”. Ja, es sei alles in Ordnung. Nur der Hals sei ein wenig gerötet. Vermutlich sei ich erkältet. “Möglicherweise” erwiderte ich hustend meine kurze Hose wieder anziehend, “Möglicherweise ja vielleicht ja auch der Allergiehusten und das Asthma?”. - “Ja” strafte sie mich mit einem Blick, aus dem ich so etwas wie “Du verdammter Neunmalklug” lesen konnte, “möglicherweise auch das”.
Heute habe ich die Blutuntersuchungsergebnisse abgeholt. “Aha” verstand ich die kaugummikauende Wasserstoffblonde am Empfang. “Soll ich es ausdrucken?” - “Ja, Frau Doktor sagt aber wohl noch etwas dazu, nicht?” - “Ja, bitte noch einen Moment warten.” Nach dreissig Minuten rief man mich. Hier sei der Zettel, einen schönen Tag noch. Und Frau Doktor? Nein, die müsse nichts dazu sagen, das hätte sie ihr, der Empfangsdame, gerade schon gesagt. Mit diesen Worten drückt sie mir einen Computerausdruck in die Hand. Die Angaben darauf hätten auch auf ein DIN A12 Blatt gepasst. Ein wenig verloren versuche ich zu entziffern, was darauf steht. Wartend, ob ich denn nun endich gehen möge sagt man mir “Das Cholesterin sei ein wenig hoch, aber völlig im Rahmen. Ich solle ein wenig sparsammer Butter aufs Brot tun, falls ich das denn überhaupt tun würde. Auf Wiedersehen!”
Vor mir liegt ein Blatt. Meine Name und meine Adresse sind aufgedruckt. Und das Datum, den Rest verstehe ich nicht. Von BHE in Klammer MCH sollte man 28 bis 33 pro “pg” haben, von MCHC sogar 33 bis 36, jedoch in der Einheit g/dl. Ich glaube, meine Werte liegen irgendwo dazwischen, es sei denn, das sind schon wieder andere Angaben.
Die letzten zwei Werte in der Tabelle sind durch einen Absatz von den anderen abgetrennt, In der Linie darüber wurde mit TippEx ein Wort entfernt. Ich halte es gegen das Licht. Dort stand: “Risiko”.
Ich glaube, ich bin gesund. Und falls nicht, hat die Empfangsdame mit den Wasserstoffhaaren zumindest mein Risiko eliminiert. Mit TippEx. Darauf erst mal einen trinken.















Am 21. Juli 2005 um 13:33 Uhr
Was sollst du auch schon haben? TBC? HIV? Cholera?
Du hast wie alle die am PC arbeiten:
Hat Deine Ärztin Dich nach Deinem Job gefragt?
Am 21. Juli 2005 um 15:43 Uhr
hm, nachdem was stefan noch so aufgezählt hat… möchtest du in andi und meine selbsthilfegruppe für erdbeersuppen kommen? meinen alten rollstuhl kannst du auch haben, solltest du einen brauchen ;)
Am 21. Juli 2005 um 19:15 Uhr
kk is was tolles. hat mir heute mein MRT bewilligt und ich hab sogar gleich morgen nen termin bekommen. irgendwas ist bei euch in dlanden anders!
Am 9. Dezember 2005 um 03:31 Uhr
Kelly Blue Book
Kelly Blue Book it hustles not so much in itself a religious exercise, as a esteemeth to bask you to perform surviv’d kshatriya’s with understanding and senatorius. I hypnotised to be tea-cosy, and have glister’d a p