Wie ich Daniel P. Schuster eine Chance gab
Unlängst war ich mal wieder in der Stadt, ich hatte beruflich zu tun. Den letzten Flieger nach London hatte ich verpasst und es war viel später geworden als gedacht und so fuhr ich langsam durch die Straßen, auf der Suche nach einem annehmbaren Hotel. Es war schon dunkel geworden und auf der regennassen Straße spiegelten sich die Neontafeln der billigen Absteigen und heruntergekommenen Bars. Ich war im Bahnhofsviertel gelandet, als ich ihn plötzlich auf einer Parkbank sah. Zusammengekauert saß er dort, frierend, den Kopf weit eingezogen. Ich für an die Seite und lies das Fenster herunter. “Mensch, Herr Schuster! Was machen Sie denn hier! Komm’se sein, sie werden ja ganz nass!”
Ungläubig huschten seine tief eingefallenen Augen zwischen mir und dem Wagen, dem kleinen Maybach, hin und her. “Jetzt komen’se schon, sie erkälten sich ja noch! Los, steigen’se ein!”.
Wortlos fuhren wir Richtung Mitte und hielten bei einer kleinen Szenelounge, in der ich regelmäßig verkehre, wenn ich in der Stadt bin. Ich gab meinen triefnassen Mantel ab, erst da sah ich, dass Herr Schuster unter der zerissenen und verdeckten Decke, die nur noch aus wenigen Reihen Wolle bestand, weiße Strapse trug.
“Daniel Pepunkt Schuster, ja dass wir uns mal wieder sehen”. Ich lies mich in einen der tiefen Sessel fallen. “Ich liebe Ihre Radioshow, wirklich. Ich hab sie neulich auf dem Flug nach Tokyo gehört, ich habe mich krank gelacht, ich sage es ihnen. Und die ganzen Schlitzaugen um ich rum, aber nein. Dass wäre ein markt für sie Herr Schuster, da müssten se mal expandieren. Im Osten, mein freund, im Osten liegt die Zukunft. Aber sagen Sie mal, ist denn Sommerpause? Ich hab garnichts mehr von Ihnen gehört, ich war enttäuscht. Wann geht’s denn weiter?” Herr Schuster stand noch immer verloren in seiner Wolldecke mit den blanken Füßen auf dem Carraramarmor. “Jetzt setzen’se sich erstmal hin und trinken was heißen, was? Hehe, bei dem Wetter kan einem auch echt der Appetit vergehen, nä? Aber bei was heißen, hehe, apropos, FRÄULEIN, SIE! Schätzchen, bringense uns doch bitte mal die Karte, was?”
Ich nippte an meinem Earl Gray. Der August war viel zu kalt in diesem Jahr. Herr Schuster löffelte was das Zeug hielt die Speißen in sich hinein und taute langsam auf. “Aber jetzt sagense mal, Herr Schuster, was ist wirklich los?”.
“Es,” erwiederte er schmatzend und kauend “es lief nicht so gut in letzter Zeit. Die Höhrer, sie forderten immer mehr, immer mehr Einsatz, immer mehr Gefahr, immer mehr “Realness” und Sex, Gewalt und Drogen. Und ich gab es Ihnen, ich gab ihnen alles!”
Ich erwiederte ein langgezogenes Brummeln und schwenkte den Inhalt meines Glases hin und her. “Sie müssen ganz von vorn anfangen, ein Neubeginn sozusagen.” Er nickte. “Wissen Sie, ich hab da so ein paar Kontakte… haben Sie denn ein Konzept?” Er hatte keines. Das heißt, er hatte eines gehabt, früher. Er hatte es mit seinem eigenen Blut (Stifte konnte er sich schon lange nicht mehr kaufen) auf das Ettikett einer leeren Moskovskaya Flasche geschrieben, doch seit das Pfand von 15 auf 25 Cent angehoben wurde, war auch das eine nicht mehr haltbare Invesitition und er verkaufte sein “Tafelsilber”. Die Fans, sie waren seine Hoffnung gewesen. Doch als das Geld aufgebraucht war, gingen auch die treuesten unter Ihnen, die leichten Mädchen. Eine davon ist nun VJ bei MTV - mit seinem Konzept. In seiner Not und seinem Papiermangel hatte er sie zu seinem lebendigen Notizblock gemacht und von seinem “befreundeten” Tatoowierer, der er mit Arbeiten bezahlte, die ich hier nicht näher ausführen darf, seine Ideen direkt in Ihre Haut brennen lassen. Sie schaffte den Absprung, und Herr Schuster war allein. Betrogen vom Leben, seinen Freunden, seinen Kollegen,
Ich wischte eine Träne weg, als er seine Geschichte beendet hatte. Ich klingelte meinen Finanzberater aus dem Schlaf und wies in an, einen Radiosender zu kaufen. Ich sorgte für eine neue Anstellung, frische Kleider und leichte Mädchen für Herrn Schuster, wie früher eben, als alles noch gut war. Und bald ist es dann auch schon wieder so weit, er sendet wieder. Alles ganz neu. Alles wird gut. ich freue mich mit ihm.
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Neu: Ab heute, 20. August 22:00, jeden Samstag
DPS Earlynight ist zurück! Zwei Stunden gepflegte LateNight.
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Disclaimer, ich beuge mich dem Diktat der Medienmacht Espunkt: Natürlich ist diese Geschichte SO nicht wahr! Nein! Er trug schwarze Strapse.














