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Dominik Schwarz: grenzschicht.com

Slobodan und ich

Dominik Dominik sagt:

Die paar hundert Kilometer Unterschied

Der Zug fährt bereits ein, da schauen wir uns plötzlich an. Schauen wieder weg, dann wieder hin. Kurzes Zögern. Doch, tatsächlich, wir erkennen uns. Ja hallo, lange nicht gesehen! Musst du auch in diesen Zug? Lass uns einsteigen.

Mensch, voll hier. Du hast reserviert aber bleibst lieber bei mir stehen? Toll! Wie lange ist das wohl nun her, acht Jahre? Lass mich rechnen.. Egal. Wie geht es dir, wo fährst du hin mit soviel Gepäck? Berlin? Oh toll, du studierst wahrscheinlich, was?

Es braucht einige Kilometer, bis ich dem wiedererkannten Gesicht auch das Umfeld, aus dem ich es kenne, zuorden kann. Noch mehr Kilometer vergehen, bis ich auf ihren Namen komme. Ein Abteil wird frei, wir setzen uns. Naturwissenschaften studiert sie, das ist ihr Ding. Ich hätte sagen können “das habe ich mir gedacht”, doch es wäre gelogen gewesen. Ich weiß beinahe nichts von der Person, die mir gegenübersitzt. Doch was wir uns zu sagen haben ist um so interessanter. Während ich die Orte und Schulformen wechselte ging sie in die USA. Wir reden über Gepäck und New York, über das Reisen und Zollbeamte, über Auslandsjahre und Ostern.

Tatsächlich die einzige, die weggegangen ist? Bin ich bei mir ja auch.Und was studieren die anderen? Lehramt in Tübingen also? Die auch? Oh man. Und sonst so? In Karlsruhe… in Ulm… also alle noch zu Hause? Das würde ich nicht wollen. Ja, genau! Ja, eben! Bei mir ja auch. Und wie war das Klassentreffen so? Ohje. Na toll. Nein, wozu, muss ja schließlich auch nicht sein. Und warum sollte man. Das sich das zerläuft, das ist ja auch normal.

Wir müssen lachen und fragen uns, ob die Daheimgebliebenen zum “Megaevent” Heimatfest bezahlten Urlaub bekommen. Wir wundern uns über die Trägheit. Wir beteuern unsere Beweglichkeit. Nein, Ehemaligentreffen sind bis auf die wenigen Leute, die man sowieso trifft, vergeudete Zeit, die ritenhaften Heimatfestverabredungen nichts für uns.

Ich muss dann mal hier raus. Ja, ein Glück dass du nicht umsteigen musst. Sag, hast du eine E-mail-Adresse für mich? Wenn ich das nächste Mal nach Berlin komme auf eine Tasse Kaffee? Ach, du hast was zu schreiben, super. Ja gerne, ich werde mich mal melden. Schön, dich unverhofft wiederzusehen, gute Weiterfahrt!

Dann steig ich aus. Sie fährt nach Berlin, ich Richtung Bielfeld. Und wir kommen nicht zurück zum Heimafest. Und das fühlt sich gut an.

Eine Reaktion zu “Die paar hundert Kilometer Unterschied”

  1. katha

    das ist nicht dein ernst…. *enttäuschtbin*

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Mit Herz und Totenkopf durchs feindliche Leben
Im Herzen ein Handwerker!
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