Dominik Schwarz - grenzschicht.com

Dominik Schwarz: grenzschicht.com

Slobodan und ich

Dominik Dominik sagt:

Plattentipp

Meine erste CD war “It’s Cool Man” von P. “It’s Cool Man” Steiner. Das ist eine historisch gewachsene Tatsache, für die man sich auch gar nicht schämen muss, die Zeit damals war eben anders. Nach dieser kurzen technophilen Phase hatte Musik für viele Jahre keine Bedeutung mehr, ich wuchs die nachfolgenden Neunziger nahezu musikfrei auf. Gründe dafür gab es - abgesehen vom völligen Desinteresse - nicht, selbst eine Stereoanlage besaß ich (und besitze ich bis heute, noch immer kein veralteter Schund). Geändert hat sich dies erst wieder mit dem Internet. Und als müsse ich alles aufholen, was ich die letzten Jahre verpasst habe, begann sich mein Musikhorizont mit Lichtgeschwindigkeit in alle Richtungen auszubreiten. Dafür verantwortlich sind hauptsächlich drei Dinge: Kazaa, FM4 und iTunes. Zu einer Zeit, als ich noch nicht strafmündig und Tauschbörsen noch Geekstuff waren, tippte ich manches mal nur noch Generes in die Suchbox ein und startete den Download, nur begrenzt durch die Modem-Downloadraten. Was gefiel, kaufte ich auf CD, was nicht, das wurde direkt wieder gelöscht. Krezip habe ich so damals entdeckt und ich bin bis heute überzeugt, durch meine zahllosen Weiterempfehlungen maßgeblich zum Erfolg der Holländer in Deutschland beigetragen zu haben.
Später kam FM4 dazu. Der alternative Jugendsender des ORF spielte auf ein mal von morgens bis abends die Musik, die mir gefiel. Musik, die man in der Regel leider weder bei Karstadt noch Müller im obersten Stockwerk kaufen kann. Bis iTunes kam.

Nie in meinem Leben habe ich so viel Musik gekauft wie seit dem Tag, an dem ich begann, über iTunes Musik herunterzuladen. Einzelne Lieder, ganze Alben, 99 Cent pro Lied, ein Klick. Ein nahezu geniales weil einfaches System. Erstmals konnte ich Musik sekundenschnell recherchieren, anhören und entdecken. Doch eines habe nich niemals getan: wahllos gekauft. Die Entscheidung, ob ich einzelne Lieder kaufe oder gleich das ganze Album ist eine schwerwiegende Entscheidung, einem inneren Sortierungs und Ordnungsbedürfnis sei dank. Da wird angehört, verglichen, aufgeschrieben, geprüft, gerechnet, überlegt, gehört.

Und an dieser Stelle kommt die Moral der Geschichte und der in der überschrift versprochene Plattentipp: Das neue Album “Weit weg” von Clueso habe ich ungehört, unrezensiert und unmittelbar gekauft. Zu recht. Der Erfurter hatt sich mit seinen letzten beiden Album Vorschusslorbeeren erarbeitet wie sonst kaum ein Künster aus meiner Plattensammlung. 17 hochwertige, kreative, lebendige und intelligente Tracks über das Leben, die Sonne, die Liebe, die Sonne und die gute Laune. “Gute Musik” heißt das Vorgängeralbum und “Weit Weg” schließt - in jedem Sinne - nahtlos daran an. Keine Wohlfühlmusik für den Deutschpopsampler sondern gute Laune mit Substanz und Witz. Und in jedem Lied erfindet sich Clueso selbst neu: Mundharmonika, Klavier, Streicher, Bass und Gitarre - es passt einfach immer. Das Leben ist schön - und der Sommer käuflich.

Weit Weg - Clueso
bei amazon und iTunes erhältlich

3 Reaktionen zu “Plattentipp”

  1. Schnurrbart

    Hm, es kommt mir komisch vor, aber dein Beitrag drückt eine solche Euphorie und Fröhlichkeit aus, wie ich sie schon lange bei deinen Abenteuern vergeblich gesucht habe. Wird Grenzschicht ungrenzschichthafter oder hat Dominik das Geld sich einen neuen Plasmafernseher zuzulegen. Das alles und noch viel mehr in der nächsten Folge von Grenzschicht in Love.

  2. BelleNoir

    na großartig. Seit Wochen erkläre ich meinem inneren Junkie dass ich weder Zeit noch Geld für ausgerechnet diese Platte habe und jetzt das… Na gut, dann halt nicht Tool sondern Clueso. Dann muß es aber auch endlich Sommer werden.

  3. summerday

    Clueso? sagt mir irgendwie was… aber ich glaub auf fm4 hab ich das noch nie gehört. vielleicht muss ich auch einfach nur mehr hören.

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