Dominik Schwarz - grenzschicht.com

Dominik Schwarz: grenzschicht.com

Slobodan und ich

Dominik Dominik sagt:

Als ich meine Tierliebe verlor

Die Welt der Tierhalter ist eine Seltsame. Die der Rennmaushalter noch viel mehr. Wie ich in diesen ganzen Schlamassel reingeraten bin, warum ich das alles nicht verhindern konnte und wie oft im Monat mir durchschnittlich eine Klage angedroht wird, dazu in Kürze mehr. Zunächst zu den harten Fakten: Seit 8 Jahren bin ich Eigentümer des mittlerweile wohl weltweit größten Internetportals zum Thema “Mongolische Rennmäuse als Haustiere“. Dies ist so kurios wie es klingt und eigentlich noch viel kurioser.

Der Mikrokosmos rennmaus.de ist der Staat im Staate. Nichts, was es nicht auch in der “Community rund um Rennmäuse” gäbe.” Dort gibt es die verschiedenen Parteien und Lager, die Lobbyisten, die Rädelsführer und die Mitläufer. Da gibt es die Moderatoren mit ihren ministerial verteilten Aufgabengebieten, da gibt es die Administratoren - Legislative, Judikative und Exikutive zugleich - und da gibt es mich. Die Neue Westfälische Zeitung schrieb Anfang des Jahres in einem Artikel dazu “Pseudoprominenz einer Subkultur”. Gut, muss ich euch ja nicht erzählen, ihr kennt das ja. Ich hab ja schließlich Premiumleser.

Die eigentliche Geschichte beginnt dann auch erst hier. Als abschließenden Teil der Einleitung möchte ich nur noch hinzufügen: eben jene Forengemeinschaft, jene “Community”, trifft sich seit sechs Jahren im Sommer zum “offiziellen und großen Communitytreffen”. Es reisen Menschen aus ganz Mitteleuropa an, lernen sich persönlich kennen und tauschen sich über.. nun, ja.. Rennmäuse aus. Und sowas. Das Communitytreffen 2006 war dieses Wochenende. Als subkulturelle Pseudoprominenz ein Pflichttermin. Davon möchte ich berichten, so lange mir noch die Zeit bleibt.

Ich war nie so der große Tierfreak. Wenn ich in meiner Aufgabe als Pseudoprominenz sage: “Freunde, so höret, keine einzige Rennmaus nenne ich mein eigen” so ernte ich nur Spott und Unverständnis. Dann fragen sie “Aber warum denn?” und ich antworte “Ich glaube, mir fehlt mittlerweile einfach das Interesse daran.” Dann ernte ich meist noch mehr Spott und Unverständnis und ich verlinke schnell ein süßes Tierbild aus einer Bilddatenbank um die Situation wieder zu beruhigen. Das funktioniert immer.
Nicht, dass ich nicht gut zu Tieren wäre, mitnichten, bin ich doch Freund einjeder Kreatur! Meine Liebe jedoch scheint wohl eher rustikaler Natur zu sein. Würde ich morgen Hundebesitzer, so würde das Tier “Hund” heißen. Und meine eigenen Rennmäuse, in präpupertärem Wunsch gekauft, erreichten das geradezu biblische Alter von 5 1/2 Jahren. Soviel dazu.

Auf dem Communitytreffen war es sehr schön. Das Wetter war toll. Wir hatten viel Spaß. Plötzlich ertönte ein grauenhaftes Geräusch berstenden Metalls, das uns allen ins Mark fuhr. Erste Schreie tönten durch die Halle und ich ahnte bereits, was passiert war. Wotan, der Kampfhamster der Rasse Gigantennager, hatte seinen titanverstärkten Zwinger aufgebrochen. Ich will die weiteren Geschehnisse auch gar nicht weiter ausbreiten, liegt mir jedes Eigenlob doch fern. Zusammengefasst gibt es zu sagen, dass nach wildem Kampf Wotan freiwillig und besiegt in seinen Zwinger zurückkehrte, ich jedoch große Teile meines rechten Zeigefingers einbüßen musste und unter ernormem Blutverlust litt.

Im späteren Verlauf des Abens ereilten mich dann weitere Anzeichen schwerwiegender Erkrankungen. TseTse-Fliegen Mücken Killerinsekten stürzten sich auf mich und der vermeintlich sicherer Schlafplatz wurde zum Schlachtfeld. Zudem treten seit heute morgen Symptome in Form roter Punkte auf Händen und Armen auf, vermutlich Richtung Herzen wandernd. Rasch konsultierte Fachunkundige diagnostizierten. Und das ist alles, was ich zu den Themen Communitytreffen und Tierliebe zu sagen habe.

Schmerzen durch Tiere
Gezeichnet: Überreste meines Fingers nach dem Kampf

13 Reaktionen zu “Als ich meine Tierliebe verlor”

  1. afs

    Es war wohl ein harter Kampf. Zum Glück musstest du dein Leben nicht auf den Schlachtfeld lassen. Ich kann dich aber zum nächsten Community Treff gerne mit etwas schwerigeren Waffen ausstatten… :-)

  2. Markus

    Ich frage mich gerade, wer diesen Beitrag für dich getippt hat. Mit dieser Verletzung bist Du doch an der Tastatur quasi mittellos. Oder beherrscht dein Apfel-Book die Spracherkennung?

    Ich würde ja raten, die Rennmäuse nur noch virtuell zu betreuen und auf realen Kontakt zu verzichten…

  3. tanja-san

    Wie tapfer du doch bist!^^
    Aber sei froh, dass du den kleinen schwarz-gelb gestreiften Giftmaschinen (wespen) nicht zum Opfer gefallen bist!! *grins*

    PS: Der Text is einfach köstlich *rofl* super geschriebn!

  4. Carolin

    Was wieder beweist das Männer zu gerne aus einer Mücke eine Elefantenherde machen…

  5. frau sandrinsche

    ich sehe wir hatten beide ein schönes wochenende

  6. Jenny28

    da haben wir es wieder, das kommt davon wenn man nicht geimpft ist, und sich nicht traut nach kampfattacken auf die leiter bzw. aufs pferd zu steigen. wo das sooooo geholfen hätte angstattacken von kampfhamstern zu überwinden :o)

  7. Julia

    Hehe, köstlich! Brauchst du Hilfe, soll ich für dich einkaufen gehen? Oder bist du schon verblutet? ;)

  8. Dominik

    @afs Danke, deine Kontakte weiß ich in jeder Lebenslage, die für mich tödlich ausgehen könnte, zu schätzen.
    @Markus Ich lasse meine Schergen schreiben und bin selbst ausschließlich mit dem Geneßungsprozess beschäftigt. Rennmäuse dafür sind ab sofort gestrichen.
    @Carolin Erst meine Füße beleidigen und dann jetzt das hier. Wo führt das hin?
    @sne Neinein, meines war nur schmerzhaft, deines hingegen zum kotzen.
    @jenny wie war das, gegen mückenstiche mit der Leiter über ein Pferd…?
    @Julia Bitte ein bis zwei Liter Blut und eine Hamsterfalle mitbringen!

  9. Carolin

    @ Dominik: ich kann dir sagen wo das hinführt: ich kritisiere jetzt auch deine Rechtschreibung -> es heisst GeneSungsprozess ;)

  10. Julia

    @ Hm, ich dachte du wurdest von einer Rennmaus gebissen! ;)

  11. lovelysunshine

    Gut dass ich sofort Erste Hilfe leisten konnte und dir einen schicken Verband gemacht hab (der leider nur ne Minute hielt).. aber egal ;-)

  12. Ultragirl

    Vielleicht hatte der Hamster Tollwut und deshalb die Roten Flecken…

    Aber Danke lieber Dominik, dass du uns vor diesem gefährlichen Hamster gerettet hast, nicht auszumalen, was geschehen wäre, wenn der Hamster sein Massaker fortgesetzt hätte… :D

  13. idefix

    *lach*

    bei dieser verletzung müssen wir wohl wirklich auch noch auf den adventskalender verzichten… *in der nächsten wunde bohr*. bis zum 30. november wird die nicht verheilt sein… von den hcohgradig gefährlichen, ansteckenden insektenbissen ganz zu schweigen…

    pass auf, ab 40 grad fieber wirds gefährlich! :P

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