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Dominik Schwarz: grenzschicht.com

Slobodan und ich

Dominik Dominik sagt:

Wir cybern, wir fliegen, wir beamen.

Damals war alles noch ganz anders. Und so war ich in meinem Freundeskreis der erste mit MP3-Player. 60 Megabyte Speicher für hundertzwanzig Mark auf Ebay. Ipod? Nie gehört. So war das früher, zu Zeiten des Millenniums. Und mein MP3-Player konnte etwas, was mein Ipod auch sechs Jahre später nicht kann: Ton aufzeichnen.

Wirklich genutzt habe ich diese Funktion nie. Nur ein paar mal, als sich die obskuren Situationen schon abzeichneten, schnitt ich im Unterricht mit. Ein halbes Jahr später lief ich gegen eine Tischkante, worüber sich zusammenfassend sagen lässt, dass der zu diesem Zeitpunkt in meiner Hosentasche sich befindender MP3-Player sein Leben zu Gunsten meiner ungeborenen Kinder ließ.

Die Jahre vergingen und die aufgezeichneten Tondokumente wurden in Backups von Backups von Backups von Backups gesichert. Irgendwo, tief unten auf einer Festplatte, von deren Existenz ich nichts mehr wusste, tauchten sie so wieder auf.

3 Stunden Suche nach dem passenden Codec, mehreren Dateikonvertierungen, 14 Googlesuchen, einem guten Ratschlag von Werner - danke - und 3 Softwareinstallationen später konnte ich die alten Dateien wieder herstellen. Sie hören: Einen repräsentativen Mitschnitt einer Kunstunterrichtsstunde, vermutlich aus dem Jahr 2000. Ton ab.

Transkription
Wie cybern, wie fliegen, wie beamen. Du, beamen! Scotty, beame mich nach oben.

[Schüler: Doch, das geht!]

Ha du, da muss man doch grinsen, des isch irrational, des gibt’s nedda. Aber wir verstehen’s alle, gell Wir verstehen alle “beamen”, hä? […] spinnen, des isch doch jenseits der Logik, koi Faktium. [?]

Und ihr lached mich aus, wenn ich erzähl vom Oberst, dem Lehrer der Raumfahrt, dem alten Mann, der 90jährig im Fernsehen stand und sich interviewen ließ. Es war der Vater der Raumfahrt. Erzählt von seinem Zögling, dem Wernher von Braun, wo nach Amerika isch, die Raketen bauen, gell? Luftfahrt, die sind heute auf dem Mond. Der Oberst mit 90 Jahren sagt, lässt sich interviewen, ja wieso denn Systemraketen und wir brauchen ja, wir brauchen ja Energie und auf der Erde wird’s zu wenig haben kein Problem, auf den Planeten hat’s Energie.

Ja aber des Problem des von den den Planeten runterzubringen kein Problem des wird magnetisch geschehen. Ja wer soll da auf die Planeten je mal rauf, um die zu erkunden? […] Kein Problem, des machen Leute wie die […] Yogis, die materialisieren sich geistig auf den Planeten. Hat der 90jährige Vater der Raumfahrt, der der Raketen bauen, die wirklich wirklich steigen, redet davon machen die indischen Yogis schon seit seit ewig. Die materialisieren sich geistig da oben. Die bauen dann diese Magnetschwebebahnen wo man mit, wo man mit der Energie Rohstoffe auf die Erde bringt. Und das Ding war zu Ende. Ein 90jähriger Mann, der Raketen baut red’ so’n Stuss.

[Schüler: Und Sie glauben es…]

Es macht mich neugierig. Es macht mich unheimlich neugierig. Und ich will wissen, was ich ned weiß, was der 90jährige weiß.

[Schüler: Ich werd Yogi. Ich flieg zum Mond und hol Energie.]

So isches. Und der geht mit Realität um, sonst würd seine Rakete niemals naufgange. Und auf der anderen Seite erzählt […] Vielleicht hat er’s erlebt.

6 Reaktionen zu “Wir cybern, wir fliegen, wir beamen.”

  1. daa

    Was fürn kack habt ihr in der Schule gemacht? Was für ne kack Sprache ist das denn? Und überhaupt was soll die Kacke, habe doch nicht bis 1 Uhr auf einen Beitrag gewartet um mir dann erzählen zu lassen das 90 Jährige Yogies sich in Weltall beamen um sich dann 90 Jahre lang interviewen zu lassen. gell?

  2. BelleNoir

    großes Tennis, jaja.

    Hätte ich mal in Sozialkunde mitgeschnitten. So schönes Sozi-Bashing verbunden mit Kommentaren zur dümmer werdenden Nation hatte ich nie wieder.

  3. Stefan

    das war frau blessing, right? *rofl* genial ;) die gute alte zeit.
    “Ich werd Yogi!” *gg*

    @daa. das war kunstunterricht, meinst du wir haben da einmal was sinnvolles gemacht?!?

  4. Chrissi

    ach ja. das war noch eine ganz andere qualität von unterricht.der geist war frei,für manchen zu frei.muss kurz vor der stunde gewesen sein,als die bestellte pizza herein kam und ein wenig später nachdem besagte lehrerin unter dem pult verschwunden war um ihre “nichtexistenztheorie” mit der aussage: “seht ihr, ihr seht mich nicht, wer also bin ich” zu verbinden. mehr davon.

    @daa: das waren jetzt drei kraftausdrücke in einem beitrag.was soll bitte der 90-jährige vater der raumfahrt davon halten?

  5. Julia

    Hihi, ein lustiger schwäbischer Unterricht! Aber das Thema ist echt fürn Arsch!

  6. grenzschicht.com Weblog - Dominik Schwarz » Blog Archiv » Ein gutes Jahr

    […] Es tauchten nach Jahren alte Tondokumente auf, mp3gewordenes Sinnbild meiner Schulzeit. Selbige beendete ich. Ein Wunsch nach sinnloser aber unglaublich kurioser Technik kam auf und blieb bis dato unerfüllt. Ich sah Geschichte in isometrischer Ansicht. Ich grillte an und bei der Neuen Westfälischen brach Feuer aus. Kalle Lasn inspirierte mich und der Deutsche Presserat bekam einen Brief. Ich ging nachts durch Datong und fühlte mich frei. Mein Nörgeln wurde vom Spiegel online zitiert und es stellte ich heraus, dass ich verlässlicher Realist bin. Bei Günther Jauch wurde ich nicht Millionär aber eine Suche hatte ihr Ende. Außerdem habe ich Neues begonnen, mit Altem abgeschlossen und stand unter den Rasensprengern meiner Liebe Wien. Ich lernte. Ich verstand. […]

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