Mindmaps und so
Vielleicht bin ich gegenüber
dem Erfinder dieses großartigen Systems ungerecht,
vielleicht bin ich arrogant weil ich denke, so etwas nicht
zu brauchen, vielleicht habe ich mit allem absolut unrecht,
aber: Ich HASSE MindMaps. Genauer gesagt hasse ich sie abgrundtief,
und zwar persönlich.
Wie es angefangen hat
weiß ich nicht einmal mehr. Es wird wohl so in der
7. Klasse gewesen sein. Und seit diesen Tagen verfolgen
mich diese widerlichen Assoziationstentakel um mich zu erwürgen.
Das Prinzip ist einfach: In die Mitte setzen wir einen Zentralen
Begriff. Darum malen wir mit fettem Filzstift einen Kreis,
nein, eher ein Oval. Dann machen wir ein paar geschlängelte
Striche nach allen Seiten, so dass es schließlich
wie die Sonne auf den Bildern meiner kleinen Cousine (4)
aussieht. Allerdings begnügen wir uns nicht mit schönem
Gelb, nein, es sollten schon unterschiedliche Farben sein.
Damit wir die Zusammenhänge besser kapieren. Warum
ich mit Blauen und Gelben Krakelstrichen besser Zusammenhänge
verstehe, ist mir zwar nicht klar, tut aber wohl nix zur
Sache. An jeden dieser Striche kommt dann ein Begriff, der
zu dem im Oval in der Mitte passt. Und von diesen Begriffen
aus zieht man dann wieder Linien um dann wieder Begriffe
anzuhängen, die zu dem jeweiligen "Überoval"
passen. Ganz ehrlich: Zum Kotzen.
Und jetzt holt mich das
Ganze schon wieder ein. In Geschichte wird die DDR gebrainstormt
(BRAINSTORM! WUARG! Allein diesen Begriff hasse ich schon!
Genau wie Kollateralschaden ist auf Brainstorm nur ein geschönter
Begriff, in diesem Fall um jeden zusammenhangslosen Scheiß
auf ein Papier zu kritzeln damit sich danach ja keiner mehr
auskennt), in Deutsch haben wir die Aufgabe, eine Mindmap
zu einem Zeitungsartikel anzufertigen. Spätestens jetzt
kommt der erste Pädagoge an, der gerade ein 3tägiges
Fortbildungsseminar (natürlich unter der Woche) mit
dem Titel "Neue Arbeitsformen: Lernkompetenzen vermitteln."
besucht hat und wird sagen: "Aber MindMaps sind doch
praktisch. So kannst du ganz schnell und beinahe spielerisch
den Inhalt komplexer Texte erarbeiten. Für ein Lernverständnis
ist das total prima und es macht sogar noch Spaß.
Und das sind sehr wichtige Lernkompetenzen die du dir da
erarbeitest."
Okay, ich lasse aus, wie
sehr ich das Wort Kompetenz (Danke, Ede) hasse und gehe
gleich zur Analyse über: Liebe Pädagogen der Welt.
Gerne erinnere ich mich an die Kindertage zurück, in
denen ich einen der 27 Farbstifte aus der Schachtel griff
und Bilder malte. Da waren Sonnen darauf, da waren Menschen,
da waren Maschinen. Und es war bunt und es wart gut. Aber
auch diese schönen Zeiten gehen vorbei und ICH WILL
NICHTMEHR! Ich werde NIE verstehen, wie es mir hilft, Begriffe
mit bunten Linien zu ummalen, schöne Kreise mit netten
Linien und Strichen zu verbinden, einmal fett, einem gepunktet,
einmal rosa einmal gelb, einmal schraffiert, einmal zu einem
Rechteck und einmal ein Dreieck. Man mag es kaum glauben,
aber ich habe die Fähigkeit, einen Zeitungstext von
knapp 30 Zeilen auf einen einzigen Anlauf zu verstehen.
Amazing, ich brauche keine Zeichnung, um mir die DDR zu
"erarbeiten". Was ist aus dem guten alten Stichwortzettel
geworden? Früher nahm man ein Blatt Papier, einen Bleistift
und machte 5 Spiegelstriche und hatte nach 60 Sekunden ein
paar brauchbare Ansätze. Aber im 21. Jahrhundert müssen
es 25 Filzstifte, eine Anglizisme, viele seltsame Linien
und mindestens 20 Minuten sein. Solange braucht man nämlich,
bis man den ganzen Schrott gemalt hat.
Jetzt jedoch ist endgültig
Schluss, irgendeine Softwareschmiede hat die Schmerzgrenze
endgültig überschritten: MindManager. Eine ganz
tolle Software die in unserem "virtuellen Klassenraum"
zum download bereit liegt, mit der ich jetzt ganz automatisch
vom PC viele tolle MindMaps zeichnen kann. Und das Beste:
Jeder dieser widerlichen Spinnenarme hat ein EIGENES Clipart
und die Linien haben sogar Farbverläufe! WOW! GEIL!
Herzlich willkommen in der Brainstormhölle.
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