Dominik Schwarz - grenzschicht.com

Dominik Schwarz: grenzschicht.com

Slobodan und ich

Dienstag, 31. August 2004

Thomas Bernhard

Der Untergeher

Klappentext: Drei Pianisten, eine Leidenschaft. Alle wollen sie „nur das Höchste“ als wahre Kunst gelten lassen, alle stellen sie größte Ansprüche an sich selbst. Doch nur einem ist der Durchbruch vergönnt. Als der Pianist Wertheim den hinter geschlossenen Türen probenden Rivalen Glenn Gould hört, ist er als Künstler „tödlich“ getroffen, weiß er doch, dass er dessen Genialität nie wird erreichen können. Doch auch der Erzähler kapituliert, verschenkt seinen Steinway-Flügel und entschließt sich, „Weltanschauungskünstler“ zu werden. Beide, der Erzähler wie sein Gegenspieler Wertheim, sind sich einig, dass Goulds Genialität einzigartig ist. Der perfektioniert sein Spiel Tag für Tag, doch zieht er sich dabei immer weiter in die Einsamkeit zurück, bis er mit 51 Jahren - so der Erzähler - plötzlich „tot umfällt am Klavier“. Der Tod des Pianisten lässt die beiden Rivalen von einst nicht unberührt. Es kommt zu drastischen Reaktionen, nach denen nichts mehr so ist, wie es vorher war.

Bernhards Roman vom Klavierspieler Glenn Gould ist ein faszinierendes literarisches Spiel, in dem die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen. Es ist eine virtuos erzählte Geschichte vom Virtuosen, der sich immer tiefer in die Einsamkeit spielt.

Das ist ein Klavier, das ist Thomas Bernhard und das ist Glenn Gould. Und das Zizers bei Chur in der gottverdammten Schweiz. Und Thomas Bernhard schreibt über das Klavier, über Glenn, über Wertheimer, dessen Schwester, über Zizers, über Österreich, über Zizers, über das Klavir, über Wien, über Zizers und auch noch über andere Dinge. "Der Untergeher" ist mit Abstand wohl der faszinierendste Roman, den ich je gelesen habe und selbst jetzt, knapp eine Woche und mehrere Bücher später, lässt er mich nicht los. Und das, obwohl man beim Lesen zwangsläufig verrückt wird. Oder vielleicht gerade weil. Hundert Seiten lang steht der Erzähler in einem Wirtshaus und wartet auf die Wirtin. Hundert Seiten lang betrachtet er die Decke und hundert Seiten lang blickt er im Raum herum, ohne diesen zu beschreiben. Ein "aufgeblasenes Gedanken-Perpetuum Mobile; Ich kenne keinen Autor, der es so vollendet beherrscht wie Bernhard, einen Roman über einige, meist neurotisch-beleidigte, wenige Gedankeninhalte zu füllen, welche sich gebetsmühlenhaft leiernd immer wieder wiederholen." schreibt ein Renzensent im Internet, und eigentlich hat er Recht. Ohne einen einzigen Abschnitt folgt der Leser seinem Gedankengang. Nahezu hundertfach wiederholt Bernhard steriotyp "[...] sagte er, dachte ich", die Sache mit der Schwester des Untergehers, die nach Zizers bei Chur, welch wiederwärtiger Name schon, geflohen ist, gerade noch rechtzeitig. Und dass ihm dann garnichts anderes mehr übrig geblieben ist, als sich aufzuhängen. An einem Baum, vor ihrem Haus. In Zizers. Bei Chur. Salzburg macht krank, Wien macht Krank, Österreich macht krank. Deutschland macht krank, schlechtes Klavierspiel macht krank. Tageslicht, Auftritte, uberhaupt, eigentlich alles macht krank.

Klingt schrecklich - und ist es auch. Und dennoch fasziniert es, denn eigentlich geht es um die Frage: Was ist Leid, vielmehr, was ist hausgemachtes Leid, was ist ein Untergeher? Wertheimer ist der Untergeher, er geht einfach immer unter, ständig. Aber wäre es nicht das größte Leid dieser Menschen, denn man ihnen ihr Leid nehmen würde? Die Welt wollte Wertheimer glücklich machen, aber er hat es geschafft, sich zu wehren. Und als er sich nicht mehr wehren konnte, blieb nur der Baum. Vor dem Haus seiner Schwester. In Zizers. Bei Chur.

Auch wenn man musikalisch völliger Laie ist, die Frage, die Bernhard aufwirft, ist frei portierbar. Wertheimer war zerstört, von dem Augenblick an, als er Glenn spielen hörte. Denn Glenn war einfach besser. Wertheimer hätte einer der Besten Klavirspiler überhaupt werden können, aber niemals besser als Glenn. Und von dieser Sekunde an war er zerstört. Perfektion und absolute Vollkommenheit, kann nur dies das Ziel sein? Für den Erzähler, der sein Klavierspiel aus Protest gegen seine Eltern begann, nicht. Für Glenn stellte sich diese Frage nicht. Für Wertheimer jedoch schon, also geht er weiter unter, verbissen in seinem Streben nach Perfektion, verbissen in sein eigenes Untergehen, von Katastrophe zu Katastrophe. Und es endete dann in Zizers. Bei Chur. Vor dem Haus seiner Schwester.

Das Buch ist ein Buch über Musiker, es bleibt nicht aus, dass das Hauptthema Musik ist. Da es aber nicht um die Musik als solche geht, bleibt das Buch auch für Laien verständlich. Verständlich? Nun, das ist die Frage, es ist unmöglich, keine Meinung zu diesem Buch zu haben. Entweder man hasst es (was durchaus nachvollziehbar ist) oderr man liebt es. Die Liebe allerdings kommt erst nach dem Lesen. Eine absolute Leseempfehlung also, aber nur, wenn man im Anschluss positive Literatur zur Hand hat.

 

Kommentare

Ole um 2005.07.17 22:21:49
schick! Neuentdeckung des Tages. Gefällt mir!


Death flover um 2005.04.20 18:15:36
Die Menschen haben den guten Glauben verloren und das find ich schade!!!! Freiheit Ist immer die Freiheit des Andersdenkenen!!!!!!!!!!


Schnurrbart um 2005.03.22 18:21:42
Man kommt auch nach oben wenn man nur die Spammittel des 20. Jahrhunders benutzt. -> casinos


Chrissi um 2005.03.17 16:58:33
So jetzt mag ich aber auch mal da oben stehen. Ich kann nicht mit tiefgreifenden,philosophischen und identitätskritischen Worten wie "Schnurrbart" dienen, hab auch keinen so schönen Namen wie etwa "Anna", aber da sieht man mal, wie man auch mit wenig ganz nach Oben kommen kann.


Anna um 2005.01.28 11:21:28
Du weißt ja schon dass ich sowohl orange als auch grün absolut zum Kotzen finde, aber deine Kolumnen sind der Reißer und die Aufmachung der Seite ist auch echt super. Also, nur noch ne andere Farbe (wie wärs mit schwarz und/oder rosa?), dann ist alles perfekt :-) Bis denn, man sieht sich ;-)


Schnurrbart um 2004.12.14 18:44:06
Guten Tag
Wer bin ich schon? Ein Schüler wohlgemerkt. Wo komm ich her? Wieso? Ich habe mich doch nicht bewegt.

Diese Seite gefällt mir von grundauf. Endlich jemand der seine Meinung in sachlich angepasste Form fassen kann und nicht gleich ein schlimmer Pädagoge ist. Ich hoffe diese Seite wird anderen noch viel Aufklärung über verschiedene Themengebiete bieten.

Ich danke dieser Seite für die offenen und kreativüberdrehten Berichte.

+++ICQ+++#296552181
++EMAIL++schnurrbart@jk-atlas-berlin.de



Anonymus um 2004.12.12 10:20:53
Kleiner Text für alle, die gern lesen

Satanist, Kiffer, Gothic, oder was?!

In letzter Zeit sieht man immer mehr Menschen mit Pentagrammen und umgedrehten Kreuzen am Hals, mit Dreads oder vielleicht komplett schwarzer Kleidung.
Hat man Dreads, ist man direkt ein Kiffer, auch wenn man vielleicht einfach nur die Dreads mag, oder weiß, dass Leute mit Dreads (jedenfalls früher immer) die nettesten Menschen sein können.
Trägt man schwarze Kleidung, ist man Satanist, Gothic und/oder vielleicht auch zusätzlich ein Kiffer, auch wenn man nur eine Depriphase durchmacht, oder Schwarz gern mag, weil es irgendwie Stilvoll ist. Natürlich gibt es dann sie Pseudo-Gothicer, die gerne einer wären und deshalb nur schwarz tragen.
Trägt man ein Pentagramm, ist man sowieso direkt ein Satanist, egal, ob man es jetzt falschrum trägt, oder nicht. Ebenso verhält es sich mit dem umgedrehten Kreuz. Aber ist irgendwem mal die Bedeutung eines Pentagramms aufgefallen? Ein Pentagramm ist eigentlich eine Art Schutzsymbol. Man zeichnet es auf den Boden. Von daher ist es vollkommen latz, ob man es richtig, oder falschrum trägt, weil es, wenn es am Boden ist, immer auf der Seite des Betrachters liegt.
Wer hat das erfunden mit dem Umdrehen? Das machen doch nur die ganzen Satanisten und Möchtegernsatanisten, die das Kreuz und das Pentagramm eigentlich schön finden, es aber nicht tragen konnten. Da dachten sich irgendwann ein paar Leute, man könne das Kreuz doch einfach umdrehen, dann sei es Antichristlich. Und wenn wir schon das Kreuz umdrehen, drehen wir das Pentagramm doch auch mal ganz schnell um, damit niemand es mehr tragen kann, ohne als Satanist zu gelten, wodurch es zu einer Rarität wird.

Ich kann nur dazu sagen: Leute, hört auf mit dem Scheiß, ich trage weiterhin mein Pentagramm und meine Dreads (im Moment nicht mehr, aber bald wieder), und kiffe trotz dem nicht!


PS: Die Homepage ist toll und grün rulez!!!


jenny um 2004.10.08 15:02:23
pure begeisterung, aber die hab ich ja schon des öfteren in den letzten stunden zum ausdruck gebracht !
ich glaub in zukunft bin ich ebenso wie katja ohne grenzschicht nur ein halber mensch

weiter so!


kathy um 2004.09.06 20:41:52
sooooo bin dann au ma auf gegenbesuch. ^^° danköö für deinen gb-eintrag. sowas kann man immer gebrauchen. ;D deine seite gefällt mir echt gut! ker hier wird reichlich für unterhaltung gesorgt! :D soo viel zu lesen. hier kann man sich ja stunden aufhalten. ^^
mach weiter so, damit es au in zukunft noch ordentlich stoff zum lesen gibt! ;D

greetz,
kathy


Gorti um 2004.09.01 21:49:28
Hey Dimo!
Danke zunächst für deinen GB-Eintrag auf meiner Seite. Deine ist ja wirklich toll, es gibt soo viel zu lesen.
Gefällt mir gut und dass ich ein Fan von deinen Bildern bin, weißt du ja schon.
LG, Gort :-)


Franzi um 2004.08.28 19:27:37
Taddi!Er ist rosa, ich wette mit dir!pff ^^

Ne, aber warum sollte grün nicht orange sein? immerhin ist pink auch blau. und grün. und gelb.und orange.
ja ne, ich laber mist ;)

sieht super aus, wie schon gesagt *g*


Taddy um 2004.08.28 00:42:41
Dominik...
was soll Frau nun dazu noch sagen..ausser

YES..orange ist schon immer grün gewesen.weil Weiss auch rosa ist! *lacht jetzt zu jemandem und dafür bestimmt noch eins auf den Deckel bekommt*
Also..dann mach hinne, damit aus türkis noch vielleicht Rubin wird..;) Ist super geworden!


Maren um 2004.08.27 14:27:11
Julielein, du kannst ihm gleich gesellschaft leisten, vielleicht kriegt ihr rabatt wenn ihr ne doppel-gummizelle belegt... *sorgenmach*


Julie um 2004.08.26 22:09:26
@Maren
Pff.. natürlich ist grün orange. Allerdings lediglich grün. Und m.E. auch nicht jedes grün. Waldgrün z.B. ist keineswegs orange.
Würde mir jemand sagen, blau sei orange, würde ich ihn vermutlich für verrückt erklären. Aber grün? Nö, eindeutig orange. Man vergleiche nur einmal orange und grüne Ikeamöbel miteinander..

Gefährlich wäre es, würde man rot für grün halten.

(Ich glaub, ich verlier auch schon den Verstand..)


Maren um 2004.08.26 20:43:56
grün ist orange...
hast du mal daran gedacht in behandlung zu gehen?
im strassenverkehr kann das gefährlich werden....


CyNox um 2004.08.25 13:22:26
Jaaaaaa. Wie schön öfter gesagt, is einfach genial!

Weiter so!

mfg, Andreas


Katja S. um 2004.08.25 07:02:40
Fein gemacht, fleissiges Dimolein. Ich mag die Buttons!

P.S. Ohne Grenzschicht bin ich nur ein halber Mensch.


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